Mittwoch, 19. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Die Karawane


Auch am nächsten Tag war es so heiß, daß es der Schnecke vorkam, als glühe der Sand unter ihrem Fuß. Nur mühsam kam sie voran, und schon nach kurzer Zeit wurde sie aufgehalten: eine Karawane kreuzte ihren Weg. Die Füße der Kamele wirbelten trockenen Staub auf; eines ging hinter dem anderen, da war kein Durchkommen. Die Luft war erfüllt vom Geschrei der Treiber und vom Blöken der Tiere. Der Boden dröhnte. In einer Wolke aus Sand und Hitze verging der Schnecke Hören und Sehen. Sie kroch tief in ihr Haus hinein und wartete Stunde um Stunde, bis der lange Zug vorübergegangen war. Sie hörte das Schreien und Stampfen, das Knirschen des Sattelzeugs, das Klirren von Waffen, das Mahlen des Sandes. Stunde um Stunde.

Als endlich Ruhe war und die Schnecke sich nach einer Weile vorsichtig aus dem Haus wagte, dämmerte schon der Abend. Sie war hungrig und durstig, und sie war an diesem Tag keinen Meter vorangekommen.

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