Dienstag, 18. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Der Stern


Nach so vielen Tagen des Suchens, begann die Schnecke mutlos zu werden. Ihr Fuß schmerzte so sehr, daß sie nicht wußte, ob sie sich das Ziehen, das sie die ganze Zeit vorangetrieben hatte, nicht nur eingebildet hatte.

Dann sah sie ihn: hell und strahlend stieg der Stern über dem Horizont auf, die Finsternis hatte einen Riß bekommen. Da war Licht, da war Trost und Hoffnung, da war das Ende ihrer Reise. Sie hatte sich nicht geirrt!

Die Nacht legte sich schwarz über das Land. Es schien der Schnecke, als würde sie von einem dunklen Tuch zugedeckt, das ihr die Luft zum Atmen nahm. „Dann ist alles aus“, dachte sie verzweifelt. Wieder war sie einen ganzen Tag lang in erbarmungsloser Hitze durch den Staub gekrochen, wieder brach ein Abend herein, sie hatte nichts zu essen, und sie wußte nicht, ob sie je ihr Ziel erreichen würde. Sie sah wohl, daß es noch lange dauern würde, bis sie das Ziel unter dem Stern erreichte. Aber er war da, und er würde ihr von nun an die Kraft geben, weiterzuziehen. „Ich komme“, sagte sie.

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