Sonntag, 16. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Das Schaf



Ein Schaf hatte die nächtliche Unterhaltung der Schnecke mit dem Hirten neugierig verfolgt. Am Morgen, als sie sich wieder auf den Weg machte, trat es ihr in den Weg. „Gehst du wirklich da hin?“ fragte es. Die Schnecke wußte gleich, was das Schaf meinte. „Ja“, antwortete sie freundlich. „Ich gehe wirklich da hin.“ - „Du könntest genauso gut hierbleiben“, sagte das Schaf. „Er wird dich gar nicht bemerken. Er kommt zu den Menschen, nicht zu den Tieren. Du machst dich lächerlich.“ Doch die Schnecke war anderer Meinung. „Gott hat die Tiere erschaffen. Er sorgt für sie. Als er die große Sintflut schickte, befahl er Noah, die Tiere zu retten. Warum sollte er sich nun nicht mehr um uns kümmern?“

„Tiere haben keine Seele“, sagte das Schaf. „Wer behauptet das?“ fragte die Schnecke. „Glaubst du, daß das wahr ist?“ Das Schaf wich der Frage aus. „Was willst du dort?“ fragte es zurück. „Was erhoffst du für dich?“ - „Das weiß ich selbst nicht mehr so genau“, antwortete die Schnecke nachdenklich. „Zuerst dachte ich, ich könnte ihm alles Unheil und alle Not bringen, die ich in meinem Leben gesehen habe und seither mit mir herumtrage. Du mußt wissen, daß ich nichts vergessen kann, das ist eine schwere Last! Aber manchmal denke ich wie du: daß ich viel zu klein und unbedeutend bin auf dieser großen Welt. Dann beginne ich zu zweifeln. Heute habe ich nur noch den einen Wunsch: ich möchte in seiner Nähe sein.“ - „Du meinst, daß dir das genügt?“ fragte das Schaf. „Das genügt“, sagte die Schnecke.

Keine Kommentare: