Sonntag, 9. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Der Vogel


Von Tag zu Tag wurde die Reise mühsamer. Manchmal träumte die Schnecke von einem Leben in einem riesigen Erdbeerfeld, in dem sie den ganzen Tag nichts zu tun hatte als zu essen und zu schlafen. Stattdessen führte sie ihr Dasein in voller Mühe und Plage. Jedes Mal, wenn sie sich in ihr Haus zurückgezogen hatte, um auszuruhen, wachte sie nach kurzem Schlaf wieder auf und fühlte dieses Ziehen in ihrem Fuß, das sie zwang, weiterzugehen und ihrer unbestimmbaren Sehnsucht zu folgen. Einen Stern zu suchen und ein Kind.
Eines Tages rastete sie unter einer Palme. Hoch oben zwischen den Blättern leuchteten saftige rote Früchte. Aber es hätte Stunden gekostet, an dem hohen Stamm hinaufzukriechen. So mußte sie sich mit dem fauligen Zeug zufriedengeben, das heruntergefallen war und schon bitter schmeckte. Da sah sie einen Vogel. Pfeilschnell kam er herbeigeflogen, ließ sich auf einem Palmwedel nieder und begann, an den schönsten Früchten zu picken. "Ich wollte, ich wäre ein Vogel", seufzte die Schnecke. In diesem Augenblick kam ein großer Raubvogel und packte den kleinen Vogel mit seinen Kralle. "Ich wollte, ich wäre ein Schnecke", dachte die Schnecke.

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