Samstag, 8. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Die Frau


Eine Frau kam in den Hühnerhof. Sie schaute in die Nester und holte die Eier heraus. Dann ging sie wieder zum Haus zurück. Im Vorbeigehen sah sie die Schnecke. "Pfui, eine Schnecke", rief sie, nahm sie mit spitzen Fingern bei ihrem Haus und warf sie in hohem Bogen über den Zaun. Zu ihrem Glück fiel die Schnecke weich, sie landete in einer Erdbeerstaude. Davon hatte sie schon lange geträumt! Nachdem sie sich von ihrem ersten Schreck erholt hatte, machte sie sich gleich über eine dicke, saftige Beere her. Welche Wonne!

Aber das Glück währte nicht lange. Die Frau kam mit ihrem Korb in der Hand zum Erdbeerbeet, und es half der Schnecke nichts, daß sie sich in ihrem Haus verkroch: sie wurde entdeckt. "Pfui, schon wieder eine Schnecke", und in hohem Bogen flog sie über den Zaun. Diesmal landete sie im Gras unter einem Birnbaum - dicht neben einer saftigen Birne. "Auch nicht schlecht", dachte sie und biß zu. Sie war fast satt, da kam die Frau mit einer Leiter. Und schon hatte sie die Schnecke entdeckt. "Pfui", rief sie, "das ist nun schon die dritte" und in hohem Bogen flog die Schnecke über den Zaun.

"Langsam gewöhne ich mich daran", dachte die Schnecke, wie sie wieder aus ihrem Haus kroch. "Was gibt´s denn diesmal Feines?" Diesmal gab es Kohl, dicken saftigen Kohl. Die Schnecke erinnerte sich voll Rührung an jenen ersten Kohlkopf, von dem sie zu ihrer Reise aufgebrochen war, und ließ es sich schmecken. Sie dachte schon, sie würde platzen, wenn sie auch nur noch ein winziges Krümelchen zu sich nehmen müßte, da sah sie die Frau kommen. Diesmal trug sie ein Hacke in der Hand, wohl um das Kohlbeet aufzulockern. "Pfui", rief sie, "heute wimmelt es ja von Schnecken!" - und in hohem Bogen flog die Schnecke über den Zaun. Sie landete im Moos, dicht neben der Straße. "Heute hätte ich mich um ein Haar überfressen", dachte sie. "War das eine nette Frau!"

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