Sonntag, 2. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Die Raupe


Eine dicke Raupe, die dicht neben der Schnecke am Kohl geknabbert hatte, sah ihr erstaunt zu, wie sie wieder zum Boden hinunterkroch. "Was ist los?" fragte sie. "Schmeckt es dir nicht?" - "Das Wetter!" antwortete die Schnecke. "Es liegt etwas in der Luft, etwas, das ich noch nicht kenne. Es ist ein bißchen wie Gewitter und ein bißchen wie Vollmond. Ich glaube, diesmal ist es ein neuer Stern." - "Dummes Zeug", sagte die Raupe. "Ein neuer Stern kann die ganze Welt verändern!" rief die Schnecke aufgeregt. "Was kümmert mich ein neuer Stern, wenn ich einen fetten Kohlkopf vor der Nase habe", grunzte die Raupe.

"Es gibt eine alte Weissagung", sagte die Schnecke, "daß unter einem neuen Stern das Heil der Welt geboren wird. Wenn das nun der ist, auf den ich warte! Ich muß ihn suchen!" - "Ich bleibe hier und fresse mich satt", entschied die Raupe. "Basta!" - "Und wenn du dabei das Heil der Welt versäumst?" fragte die Schnecke besorgt. "Was kümmert mich das Heil der Welt, solange ich nur genügend zu fressen habe?" lachte die Raupe. "Geh du nur voraus, vielleicht komme ich nach, wenn ich hier alles aufgefressen habe."

Mühsam kroch die Schnecke an dem großen Kohlkopf hinunter und dann langsam weiter übers Feld, Furche um Furche, immer dem Ziehen in ihrem Fuß nach. - Bis Bethlehem waren es noch viele hundert Kilometer, aber das wußte sie nicht.

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