Samstag, 1. Dezember 2007

Die Schnecke geht nach Bethlehem

Ich habe für Euch eine Geschichte in 24 Teilen über eine Schnecke. Die Geschichte ist nicht aus meiner Feder, aber eine Bekannte hat sie geschrieben.

Die Schnecke

Im fernen Land Palästina lebte vor zweitausend Jahren eine Schnecke, die war schon uralt und hatte viel von der Welt gesehen. Und weil sie alles sehr langsam und bedächtig tat, hatte sie nichts davon vergessen. Ihr Fuß kannte jede Falte der Erde und jedes Sandkorn der Wüste, und in ihrem Haus hörte sie die Weltmeere rauschen.

Die Schnecke wartete. Sie wartete, ohne recht zu wissen, worauf. Sie hatte in ihrem langen Leben so viel Unheil gesehen, daß sie es fast nicht mehr tragen konnte. Wie eine schwere Last lag alles, was sie erlebt hatte, auf ihr. Nun hoffte sie auf einen, der ihr alles abnehmen würde.

Das Alter bringt es mit sich, daß man ein wenig wetterfühlig wird. Auch der Schnecke ging es so: sie spürte jeden Regen, jeden Frost und jeden Sandsturm schon Tage zuvor, und so konnte sie sich stets beizeiten darauf einstellen. Eines Tages fühlte sie ein bisher unbekanntes Reißen in ihrem Fuß. Obwohl sie an diesem Morgen nach langem Suchen einen ganz appetitlichen Kohlkopf gefunden hatte, drehte sie schwerfällig um, um dem Ziehen in ihrem Fuß zu folgen. "Es liegt etwas in der Luft", murmelte sie. "Und ich werde herausfinden, was es ist."

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