Sonntag, 10. Dezember 2006

Das schwarze Schaf

Diese Geschichte kennt kaum jemand. Und das hat seinen guten Grund: Schwarze Schafe sieht man nachts nämlich schlecht - und in einem dunklen Stall schon gar nicht. Und das kann manchmal richtig nützlich sein. ..
Die Hirten auf dem weiten Feld vor Bethlehem mochten Samy, das schwarze Schaf, nicht gern. Obwohl Samy das einzige und so eigentlich etwas besonderes war. Schwarze Wolle brachte keinen guten Preeis, weil man sie schlecht färben konnten. Sie weißen Schafe hingegen hegten und pflegtend die Hirten. Deren Wolle konnte man nach belieben einfärben. Rot, Gelb, Blau, ... wie es gerade Mode war. Das kam gut an bei den Leuten und brachte den Hirten Geld ein. Schwarze Wolle blieb schwarz. Da war nicht viel zu machen. Und so musste sich Samy einiges gefallen lassen. Nicht nur die Hirten ließen es meistens links liegen oder tobten ihre schlechte Laune an ihm aus. Auch die weißen Schafe waren nicht besonders nett zu ihm. Sie blökten schlecht über Samy, traten ihm unauffällig gegen seine dünnen Beine, schubsten ihn vom Futtertrog oder den Stellen mit dem fetten Gras weg und erzählten ihren Jungen, dass es eine Bosheit wäre, die ein Schaf schwarz macht. Oder die Dummheit. Und so kam es, daß Samy ein Einzelgänger war und dazu noch ziemlich dünn blieb. Und das war nun wiederum sein Glück: Denn sonst wäre es längst beim Metzger gelandet... "Aber nicht einmal dazu taugt es!", schimpfte gerade der Älteste der Hirten vor sich hin. Die meisten anderen schliefen bereits. Als ihnen der Engel erschien. Die Geschichte kennt ja jeder ... Und auch Samy war dabei, als die Hirten das Kind im Stall und seine Eltern besuchten. Und ihre Geschenke brachten - auch weiche weiße Wolle. Samy war neugiergi, hatte aber Angst, die Hirten und andere Schafe würden ihn nicht nach vorne lassen. So drückte er sich zwischen Josef, dem Ochsen und dem Esel vorbei in eine Ecke des Stalls. Von dort konnte er alles genau beobachten. Vor allem das Christkind. Und einmal blinzelte es ih sogar zu! Samy war selig. Irgendwann wurde Maria das Getümmel der Hirtern und Schafe zu bunt. Das Kind brauchte dringend Schlaf - und sie selbst vielleicht noch viel mehr. Und die 3 Könige wollte ja auch noch kommen. Also schmiss Maria kurzerhand die Gäste, Menschen und Schafe, aus dem Stall. Sie schloss die Tür, stillte das Kind, legte es in die Krippe, kuschelte sich an Josef, blies dessen Laterne aus und schlief ein.
Aber den Samy hatte Maria einfach übersehen. Er war ja schwarz. Und im Stall war es trotz der Laterne ziemlich duster. Und in der Ecke, in der Samy kauerte, erst recht... Als auch Ochs und Esel leise schnarchten, pirschte sich Samy leise bis zur Futterkrippe vor, in der das Chrisrkind lag. Sachte stupste er das Baby mit seiner warmen feuchten Nase an. Es war noch wach und schmiegt sich an Samys haarigen Kopf. Die kleinen Hände griffen das weiche Fell und Samy getraute sich kaum, sich zu bewegen. So hielt er das Kind im seinem Atem und seinem Fell warm. Bis zum Morgen. Und weil Jesus sich auf Anhieb mit dem schwarzen Schaf gut verstand, schlossen auch Maria und Josef ihn ins Herz. Samy durfte bleiben. Und stand von da an neben Ochs und Esel im Stall.
Von da an hatte das Christkind ein Herz für Schwarze Schafe.

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